Martin J. Eppler und Jeanne Mengis beschreiben in ihrem Artikel „Wissensdialoge – Ein gesprächsbasierter Ansatz des Wissensmanagement“ die Bedeutung von Gesprächen in Organisationen. Sie zeigen die Funktion von Gesprächen in verschiedenen Organisationsdisziplinen auf. In der Disziplin „Wissensmanagement“ schreiben sie:
„Durch Gespräche und Dialoge wird Wissen expliziert und in Worte gefasst. Gespräche sind deswegen für die Entwicklung und die Vermittlung von Wissen von zentraler Bedeutung. Gespräche … ermöglichen dadurch eine echte, gemeinschaftliche Konstruktion von Wissen.“
Für Bill Isaacs ist der DIALOG das Zentrum einer Lernenden Organisation und der Ort, an dem die Mitglieder einer Organisation im Miteinander neues Wissen generieren können. Aus der Sicht der Kreativitätsforschung weist der Amerikaner Csikszentmihaly darauf hin, dass unser Denken sehr verkrustet ist und dass es uns oft schwer gelingt, sich von inneren Bildern und Denkmuster zugunsten von Unbekanntem zu lösen.
Der DIALOG schafft die Möglichkeit das Denken wieder ins Fließen zu bringen. Um das zu veranschaulichen, verwenden wir hier gerne das Beispiel mit dem „Elefanten in Orange“:
... wenn Elefanten in Orange auf der Straße stehen, unser Gehirn also möglicherweise eine herausfordernde Situation erlebt, wendet es seine “natürliche Form” des Dialogs an: es hält inne, suspendiert Annahmen, hält sie in Schwebe und zieht neue Interpretationsmöglichkeiten in Erwägung.
Dieses Neudenken oder auch die Einsicht in unser eigenes Denken kann zu einem Wandel der Wahrnehmung führen. Im Erkennen unserer eigenen Wahrnehmungsmuster liegt die größte verändernde Kraft des Dialoges.
DIALOG-Runden auf der Basis der zehn Kernfähigkeiten schaffen den Raum für neue Erkenntnisse, es wird möglich, anstelle nach alten Mustern zu re-agieren, plötzlich kreativ und gestaltend zu sein.
Die in diesem DIALOG-Container platzierten Ideen, Ansichten und Meinungen führen, wenn wir unsere Annahmen und Bewertungen „suspendieren“ immer wieder zu neuen Ideen und Lösungsmöglichkeiten. Der Container kann somit die Basis für weitere Schritte im Wissensmanagement sein.
Der Wissensmanager und Organisationsberater Dr. Gerhard Hochreiter (Delta Consulting Linz) setzt in seinen Projekten auch immer wieder Elemente der DIALOG-Methode ein. So z.B. den Redestab, um das Gespräch zu verlangsamen oder den Grundsatz des „aktiven Zuhörens“ um die Kultur der Gegenrede zu wandeln.
Der DIALOG kann so Organisationen unterstützen eine Lernende Organisation zu werden, die sich, wie Mechtild Beuke-Glam beschreibt, im Wesentlichen durch zwei Fähigkeiten auszeichnet:
Die Fähigkeit zur Selbstreflexion und die Fähigkeit, sich offen zu halten für Irritationen aus der Umwelt und diese Irritationen zu verarbeiten.
» Aktueller Artikel dazu in TRAINING 06/2006 [427 KB]
Literatur
Beucke-Glam, Mechtild: Über die Bedeutung von Dialog in einer „lernenden Organisation“. In: Organisationsentwicklung 1_01.
Eppler, Martin J. – Mengis Jeanne: Wissensdialoge – Ein gesprächsbasierter Ansatz des Wissensmanagement. In: Organisationsentwicklung 4_05