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Spot on Chef und Chefin

Wer führt, wird wirksam. Welche Handlungen Führungskräfte auch immer setzen: sie können sicher sein, dass von Mitarbeitenden besonderes Augenmerk darauf gelegt wird, inwieweit die Aktivitäten des Alltags zu den ausgegebenen Richtlinien und Zielen passen.

Vielen Führungskräften sind die Wirkungen und Nebenwirkungen des eigenen Verhaltens zu wenig bewusst. Sie bekommen durch ihre Umgebung wenig aussagekräftiges verwertbares Feedback. Selten erfahren sie wie ihr Beispiel bei den MitarbeiterInnen tatsächlich ankommt. Sich immer wieder zu fragen, wie das eigene Beispiel wirkt, ist mühsam, aufwändig – aber nützlich. „Was schauen sich meine MitarbeiterInnen jetzt gerade bei mir ab?“ ist eine Reflexionsfrage, mit deren Hilfe man sehr schnell in der Gegenwart landet und bei entsprechender Übung nötigenfalls rasch gegensteuern kann. Hilfreich für die Selbsterkenntnis sind auch Perspektivenwechsel zu sich selbst als geführte Person. Worauf achte ich selbst bei meinen Vorgesetzten? Welches Verhalten meines Chefs bestärkt mich in der Umsetzung von Zielen, welches weniger?

Wie mag es wirken, wenn die Teamleiterin sich über mangelnde Begeisterung der MitarbeiterInnen beschwert, zu diesem Zweck ein ellenlanges Lamento mit zehn Beispielen für mürrische Kundenkommunikation verfasst und in der Teamsitzung mit der Miene der Enttäuschten vorträgt? Was schauen sich die MitarbeiterInnen in diesem Moment ab? Was bewirkt dieses Vorgehen, dieses Verhalten, wenn eines der Ziele der Organisation ist, die KundInnen freundlich zu begrüßen? Welches Verhalten der Leiterin könnte deutlicher zeigen, was sie von den MitarbeiterInnen will? Welche Wirkungen, welche Nebenwirkungen sind zu erwarten, wenn die Chefin selbst freundlich grüßend die Teamsitzung eröffnet und die MitarbeiterInnen selbst bewerten lässt, wie sie sich auf der KundInnenfreundlichkeits-Skala aktuell einstufen?

Walk the Talk - diese plakative Formel ist rundherum wieder zu hören. Praktizieren, was man predigt. Auf Worte Taten folgen lassen. Leicht gesagt und auch leicht getan, wenn die Ideen und Ziele, die Führungskräfte promoten, mit ihren inneren Überzeugungen übereinstimmen. Wenn das nicht der Fall ist, tapsen Führungskräfte und andere Menschen schnell in Vorbild-Fallen. Projekte wie die Implementierung betrieblicher Gesundheitsförderung sind manchmal wenig erfolgreich, wenn das Top-Management selbst am liebsten ohne Sport, dafür mit Schweinsbraten und Schlagobers lebt und auch nicht vorhat, das zu ändern. Nachhaltigkeit und ethisches Verhalten im Mission Statement werden von Menschen im Unternehmen eher angestrebt, wenn sie vorbildlich vorgelebt werden – bei der Wahl des Firmenfahrzeugs, in der alltäglichen Kommunikation, in den Strukturen und Prozessen bis hin zum Essen in der Kantine.